Jonathan Eibisch

Ich lebe in Jena und promoviere derzeit über anarchistische politisch Theorie. Es ist mir ein Anliegen und ich sehe es als meinen Beitrag, mein Erfahrung in sozialen Bewegungen und mein theoretisches Wissen auf eine verständliche und bewegende Weise mit Leuten zu teilen, die sich für eine egalitäre, freiheitliche und solidarische Gesellschaft einsetzen.


Sessions

08-09
15:00
150min
Die unglaublich ethischen Aspekte der Anarchie. Annäherungen an eine zeitgemäße anarchistische Ethik / The incredible ethical aspects of anarchy. Approaches to a contemporary anarchist ethic.
Jonathan Eibisch

Wie ist es möglich, dass unterschiedliche Menschen sich wirklich freiwillig zusammenschließen und verbindlich aufeinander beziehen? Wie können kleine Gruppen oder große Gemeinschaften ihre eigenen ethischen Grundlagen gleichberechtigt und kontinuierlich neu aushandeln und selbst bestimmen? Wie können sie ein grundlegend anderes Verhältnis zur nicht-menschlichen Mitwelt entwickeln, ohne deswegen religiös oder esoterisch zu werden? Und wie kann dies alles aus einer grundsätzlichen Kritik der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse hervorgehen und mit dieser zusammen gedacht werden?

In der anarchistischen Ethik geht es nicht darum, dass Einzelne „bessere Menschen“ werden, sondern dass sie ihre menschlichen sozialen Fähigkeiten umfassend entfalten können. Dazu braucht es bestimmte Umgebungen und Grundlagen, die jedoch aktiv geschaffen werden können. Um für die sozialistischen Werte von Solidarität, Gleichheit und Freiheit einzutreten und eine Gesellschaft ohne Herrschaft, Ausbeutung, Zerstörung und Gewalt zu verwirklichen, braucht es ganz andere Beziehungen zur Mitwelt, zueinander und zu uns selbst. In der anarchistischen Ethik hat dies allerdings nichts mit individueller Selbstfindung, moralischer Überlegenheit, bürgerlichem Zynismus oder resignierter Anpassung zu tun.

Der Workshop beginnt mit einem Input zu Grundgedanken einer zeitgemäßen anarchistischen Ethik und geht über in einen Austausch über unsere jeweiligen Erfahrungen mit ethischen Ansprüchen und Vorstellungen. Weiterhin möchte ich mit euch nachspüren und darüber reflektieren, wie wir mit der täglichen Apokalypse des Klimawandels umgehen bzw. auf eine emanzipierende und kämpferische Weise umgehen können. Schließlich lade ich euch ein, dass wir uns über anarchistische Ethik als Grundlage für eine ganz andere Gesellschaft austauschen.

Workshops on other topics
Tent 4
08-08
15:00
150min
Globaler Gesellschaftswandel statt planetare Klimaerwärmung! Überblick über anarchistische Prinzipien und ihr Potenzial zu radikalen gesellschaftlichen Veränderungen / Global Change of Society
Jonathan Eibisch

Das Nachdenken über alternative Gesellschaftsformen, die ein nicht-zerstörerisches Zusammenleben ermöglichen und ihre experimentelle Verwirklichung im Kleinen hat eine lange Tradition. Viele Menschen würden der Aussage zustimmen, dass dem Klimawandel nur effektiv begegnet werden kann, wenn grundlegende Veränderungen in der heutigen Gesellschaftsstruktur vorgenommen werden. In den Vorstellung, wie dies geschehen kann und soll oder wer wie handeln müsste, scheiden sich freilich die Geister. Noch deutlicher gehen die Meinungen auseinander, wenn mit der Forderung nach Klimagerechtigkeit deutlich gemacht wird, dass Menschen sehr unterschiedlich für die ökologische Katastrophe verantwortlich sind und darunter leiden müssen.

Weil Klimawandel alle Menschen angeht und mit Kapitalismus, politischer Herrschaft, Patriarchat und gewaltsamen Konflikten verknüpft ist, kann auf vernünftige Weise die Frage gestellt werden, was anarchistische Gesellschaftskonzepte anzubieten haben, um eine lebenswerte Welt für alle aufzubauen. Dazu können anarchistische Prinzipien von Dezentralität, Autonomie, Föderalismus, Freiwilligkeit und Horizontalität betrachtet werden. Dabei geht es nicht darum, eine neue Gesellschaft am Reißbrett zu konstruieren, sondern solche Vorstellungen zunächst in sozialen Bewegungen selbst umzusetzen.

Zunächst wird es einen Input zu anarchistischen Prinzipien geben, bevor wir in kleinen Gruppen schauen, wo diese bereits umgesetzt werden und wo nicht. Anschließend möchte ich mit euch (selbstverständlich kritisch und gern kontrovers!) diskutieren, inwiefern die Klimagerechtigkeitsbewegung oder andere emanzipatorische Bewegungen sich stärker an anarchistischen Organisationsprinzipien ausrichten können und sollten.

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Tent 2